Lanzarote 2026

Lanzarote 23.5.26: Bericht über den weltweit härtesten Ironman !
Ich muss jetzt einmal ganz ehrlich mir gegenüber sein, ich habe mich gewaltig verzockt. Den IM Lanzarote wollte ich eigentlich nie machen, zu hart für mich. Aber seit dem ich in M70 starte bin ich fast jedes Mal auf dem Treppchen gewesen, nur ganz oben, da stand ich noch nie. Immer war irgendwer schneller als ich, und wenn es nur 4 Minuten waren, und schnappte mir Platz 1 und damit den erträumten Slot für Hawaii weg. Also suchte ich nach einem Wk bei dem es kein Grufti mehr ins Ziel geschafft hat, und da fand ich zwei: Wales und eben Lanzarote, hier gab es seit Jahren keinen Finisher in M70 mehr. 2025 lief ein Athlet in Lanzarote 3 Minuten nach Zielschluss ein – aus der Traum, sehr bitter.
Also meldete ich für Lanzarote. Die Aufgabe war Insidern hinreichend bekannt, das Problem ist der Radsplit: 180 k mit insgesamt > 2500 Höhenmetern bei dem für Lanzarote gefürchteten Wind und oft sehr rauem und damit für das Rad schlecht befahrbarem Asphalt. Und wenn man nach dieser Tortur überhaupt noch vom Rad steigen kann wartet ein Marathon, erneut bei starkem Wind und knapp 300 Höhenmeter, auf den geschundenen Sportler. Dagegen fühlt sich das Schwimmen über 3,8 Kilometer im 19 Grad warmem Atlantik zu Beginn des Wettkampfs fast wie Baden an.
Mein Problem als schwacher Radfahrer zu Beginn der Vorbereitung war es diese 180 Kilometer in einer Mindestgeschwindigkeit von 20 k/h zu absolvieren, alles andere wäre für ein Finish im Zeitlimit zu langsam. Dabei konnte ich zu diesem Zeitpunkt meine Hausstrecke bei Malaga über gerade mal 42 k und einem entsprechenden Höhenprofil nicht einmal mit 19 k/h drücken.
Also ging es seit Dezember jeden Sonntag knallhart auf die Rolle im Keller, zuletzt 5 Stunden lang am Stück. Immer mit klar vorgegebenen Zielwatt-Werten. Im Trainingscamp in Andalusien mit Florien aus meinem Verein DSV Mitte April habe ich dann einmal mehr gespürt, wie effektiv das stupide Treten im Keller ist. Selbst das Befahren der höchsten asphaltierten Straße Europas, rauf auf die Sierra Nevada in 3400 Metern, wo viele Triathlon Profis ihr Trainingslager aufschlagen, konnte ich gut meistern. Ich schöpfte Mut für mein selbst gesetztes Ziel.
Auch sonst lief die ganze Vorbereitung diesmal absolut nach Plan. Ich drehte alle meine Konzepte noch einmal auf links, an jedem Detail habe ich erneut gefeilt – ich wollte dieses Mal das maledeite Ticket nach Hawaii lösen, endlich und unbedingt !
So machte ich mich am 19.5.26 auf die von „Hannes Hawaii Tours“ perfekt vorbereitete Reise. Hannes war persönliche vor Ort und tat alles um mir und zwei weiteren Startern einen erfolgreichen Wettkampf zu ermöglichen. Angefangen von einem genialen Hotel, das er für uns ausgesucht hatte, über tausend brauchbare Ratschläge, die nur einer geben kann der seit Jahren beim IM Lanzarote vor Ort ist bis hin zu einer Streckenführung, teils
mit Rad, teils mit Auto. Mein Auge war bei dieser Streckenbesichtigung aber
nicht nur auf die „sportlich herausfordernde“ Route gerichtet (wie sie auf der Website von IM verharmlosend beschrieben wird), sondern vor allem auf die atemberaubende Schönheit der Landschaft: bizarr, karg, rauh aber zugleich beeindruckend pintoresk. Schwarzes Lavageröll wechselt mit über steile Klippen ins türkisblaue Meer abfallenden Hängen, tiefgrüne Weinreben werden von kreisrunden Steinmauern zum Schutz gegen den Wind umgeben und über die in den Himmel ragenden Vulkankrater fallen die Wolken ins Tal als würde sich ein Wasserfall ergießen. Ich bin einfach sprachlos.
Zwei Tage vor dem Wettkampf erreichte mich dann die Hiobsbotschaft von meinem Sportsfreund Howard: ca. 9 Athleten haben für M70 gemeldet, dabei ein Franzose der dieses Jahr bereits den IM Südafrika in einer für mich utopischen Zeit gewonnen hat. Sofort wird mir klar – ich habe mich verzockt, total verzockt. Von wegen alleine am Start in M70 ! Beim „Check in“ am Tag vor dem WK würde ich eben diesen Tierry Foulounoux treffen, ein Kopf kleiner als ich und für einen M70er total wache und kluge Augen. Im ersten Moment nach Howards Info wollte ich sofort abreisen. Aber dann besinne ich mich: den weltweit härtesten, und wie ich hier gelernt habe, einer der landschaftlich schönste IM zu finishen, wäre das nicht eine ganz große Nummer.
Der Wettkampf selbst war ein Traum, auch wenn, wie das immer ist, der Marathon am Ende schlichtweg Quälerei ist. Das Schwimmen im Atlantik entlang der Küste mit ihren typischen schneeweißen Häusern auf schwarzer Vulkanerde und bei aufgehender Sonne ein Genuss pur. Der Radsplit mit den erwähnten Schwierigkeitsgraden mega tough: Just in durch das Kilometer lange und öde Lavafeld knallte die Sonne an diesem Tag schon mit 28 Grad runter und ausgerechnet an der längsten Steigung über 12 Kilometer hoch zu einer Sternwarte blies mir der für Lanzarote bekannte Nordostwind gnadenlos ins Gesicht. Ich dachte da oben komme ich nie an. Dennoch, ich fühlte mich an diesem Tag richtig fit, das ganze Gekurbele Sonntags im Keller- jetzt zahlte es sich aus. Am Ende stand ein Schnitt von 21,8 k/h auf meinem Radcomputer. Hätte mir vor Jahren jemand gesagt ich würde einmal so eine Pace auf so einem Parcours drücken, ich hätte ihn sofort in eine Psychiatrie einliefern lassen.
Ich kann diesen Bericht nicht abschließen ohne eine Episode vom Laufen zu erwähnen. Hannes und sein Team sind den ganzen Marathon über an der Strecke gestanden, haben mich motiviert aber vor allem unterrichtet über meinen Stand im Rennen. So lag ich zu Beginn des Laufes auf Platz 4, 20 Minuten hinter einem Platz auf dem Podium. Als es nur noch 3 k zum Finish waren erhielt ich die Info: der von Platz 3 ist schon 600 Meter hinter dir – zieh durch. So hatte es der Tracker angezeigt, auf dem so viele mein Rennen verfolgt haben was mich unglaublich motiviert, Danke dafür. Blöd an der ganzen Sache war nur: Platz 3, ein M70er aus Trier, ein gewisser Peter Joecken, war gar nicht 600 Meter hinter mir, das hatte der Tracker falsch errechnet. Nein, er befand sich just in diesem Moment genau neben mir, hörte natürlich unser kurzes Gespräch bezüglich des momentanen Rennverlaufes, und meinte verschmitzt grinsend: dann hänge ich mich mal dran. Was sich jetzt entwickelte war ein gnadenloses Rennen. Mal war Peter vorne, mal ich. An einer Steigung konnte ich ihm ein paar Meter abnehmen, meine Lunge brannte wie Feuer, aber am Ende war er dann doch wenige Sekunden vor mir an der Ziellinie. Egal, ich habe diesen Endspurt über 3 Kilometer genossen wie selten, es sind diese Battles am Ende eines IM, wenn der Körper völlig leer und aufgebraucht ist, die Beine nur noch weh tun und der Kopf sagt höre jetzt endlich auf, es sind diese Momente die unseren Sport so besonders machen.
Ich wollte diesen IM in der Cut Off time ins Ziel bringen- 16 h 59 Minuten. Im letzten Jahr wäre das Platz 1 und die Hawaii Quali gewesen. Meine Finisher Zeit gestern war 15:35 h, fast 1,5 h schneller als angestrebt. Ich bin so unsagbar stolz, auch wenn ich heute einen Rollator brauche um mich fortzubewegen. Das Erlebnis Lanzarote werde ich für immer mit mir tragen. Alle die mich mit Rat und Tat unterstützt haben möchte ich an dieser Stelle danken. Allen voran meiner lieben Frau, die mit meiner Sportbesessenheit tagtäglich leben muss und mir trotzdem ein selbst gefundenes vierblättriges Kleeblatt mit auf die Reise gab.
Und Hawaii? Nach dem Zieleinlauf saßen Peter Joecken und ich körperlich absolut am Ende nebeneinander auf einer Bank. Da sagte er plötzlich: ich bin für so etwas jetzt einfach zu alt, das war mein letzter IM. Vielleicht muss ich einfach solange warten bis tatsächlich kein anderer Grufti mehr am Start steht.

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