Lanzarote 2026

Lanzarote: Stephan Petrasch

Lanzarote 23.5.26: Bericht über den weltweit härtesten Ironman !
Ich muss jetzt einmal ganz ehrlich mir gegenüber sein, ich habe mich gewaltig verzockt. Den IM Lanzarote wollte ich eigentlich nie machen, zu hart für mich. Aber seit dem ich in M70 starte bin ich fast jedes Mal auf dem Treppchen gewesen, nur ganz oben, da stand ich noch nie. Immer war irgendwer schneller als ich, und wenn es nur 4 Minuten waren, und schnappte mir Platz 1 und damit den erträumten Slot für Hawaii weg. Also suchte ich nach einem Wk bei dem es kein Grufti mehr ins Ziel geschafft hat, und da fand ich zwei: Wales und eben Lanzarote, hier gab es seit Jahren keinen Finisher in M70 mehr. 2025 lief ein Athlet in Lanzarote 3 Minuten nach Zielschluss ein – aus der Traum, sehr bitter.
Also meldete ich für Lanzarote. Die Aufgabe war Insidern hinreichend bekannt, das Problem ist der Radsplit: 180 k mit insgesamt > 2500 Höhenmetern bei dem für Lanzarote gefürchteten Wind und oft sehr rauem und damit für das Rad schlecht befahrbarem Asphalt. Und wenn man nach dieser Tortur überhaupt noch vom Rad steigen kann wartet ein Marathon, erneut bei starkem Wind und knapp 300 Höhenmeter, auf den geschundenen Sportler. Dagegen fühlt sich das Schwimmen über 3,8 Kilometer im 19 Grad warmem Atlantik zu Beginn des Wettkampfs fast wie Baden an.
Mein Problem als schwacher Radfahrer zu Beginn der Vorbereitung war es diese 180 Kilometer in einer Mindestgeschwindigkeit von 20 k/h zu absolvieren, alles andere wäre für ein Finish im Zeitlimit zu langsam. Dabei konnte ich zu diesem Zeitpunkt meine Hausstrecke bei Malaga über gerade mal 42 k und einem entsprechenden Höhenprofil nicht einmal mit 19 k/h drücken.
Also ging es seit Dezember jeden Sonntag knallhart auf die Rolle im Keller, zuletzt 5 Stunden lang am Stück. Immer mit klar vorgegebenen Zielwatt-Werten. Im Trainingscamp in Andalusien mit Florien aus meinem Verein DSV Mitte April habe ich dann einmal mehr gespürt, wie effektiv das stupide Treten im Keller ist. Selbst das Befahren der höchsten asphaltierten Straße Europas, rauf auf die Sierra Nevada in 3400 Metern, wo viele Triathlon Profis ihr Trainingslager aufschlagen, konnte ich gut meistern. Ich schöpfte Mut für mein selbst gesetztes Ziel.
Auch sonst lief die ganze Vorbereitung diesmal absolut nach Plan. Ich drehte alle meine Konzepte noch einmal auf links, an jedem Detail habe ich erneut gefeilt – ich wollte dieses Mal das maledeite Ticket nach Hawaii lösen, endlich und unbedingt !
So machte ich mich am 19.5.26 auf die von „Hannes Hawaii Tours“ perfekt vorbereitete Reise. Hannes war persönliche vor Ort und tat alles um mir und zwei weiteren Startern einen erfolgreichen Wettkampf zu ermöglichen. Angefangen von einem genialen Hotel, das er für uns ausgesucht hatte, über tausend brauchbare Ratschläge, die nur einer geben kann der seit Jahren beim IM Lanzarote vor Ort ist bis hin zu einer Streckenführung, teils
mit Rad, teils mit Auto. Mein Auge war bei dieser Streckenbesichtigung aber
nicht nur auf die „sportlich herausfordernde“ Route gerichtet (wie sie auf der Website von IM verharmlosend beschrieben wird), sondern vor allem auf die atemberaubende Schönheit der Landschaft: bizarr, karg, rauh aber zugleich beeindruckend pintoresk. Schwarzes Lavageröll wechselt mit über steile Klippen ins türkisblaue Meer abfallenden Hängen, tiefgrüne Weinreben werden von kreisrunden Steinmauern zum Schutz gegen den Wind umgeben und über die in den Himmel ragenden Vulkankrater fallen die Wolken ins Tal als würde sich ein Wasserfall ergießen. Ich bin einfach sprachlos.
Zwei Tage vor dem Wettkampf erreichte mich dann die Hiobsbotschaft von meinem Sportsfreund Howard: ca. 9 Athleten haben für M70 gemeldet, dabei ein Franzose der dieses Jahr bereits den IM Südafrika in einer für mich utopischen Zeit gewonnen hat. Sofort wird mir klar – ich habe mich verzockt, total verzockt. Von wegen alleine am Start in M70 ! Beim „Check in“ am Tag vor dem WK würde ich eben diesen Tierry Foulounoux treffen, ein Kopf kleiner als ich und für einen M70er total wache und kluge Augen. Im ersten Moment nach Howards Info wollte ich sofort abreisen. Aber dann besinne ich mich: den weltweit härtesten, und wie ich hier gelernt habe, einer der landschaftlich schönste IM zu finishen, wäre das nicht eine ganz große Nummer.
Der Wettkampf selbst war ein Traum, auch wenn, wie das immer ist, der Marathon am Ende schlichtweg Quälerei ist. Das Schwimmen im Atlantik entlang der Küste mit ihren typischen schneeweißen Häusern auf schwarzer Vulkanerde und bei aufgehender Sonne ein Genuss pur. Der Radsplit mit den erwähnten Schwierigkeitsgraden mega tough: Just in durch das Kilometer lange und öde Lavafeld knallte die Sonne an diesem Tag schon mit 28 Grad runter und ausgerechnet an der längsten Steigung über 12 Kilometer hoch zu einer Sternwarte blies mir der für Lanzarote bekannte Nordostwind gnadenlos ins Gesicht. Ich dachte da oben komme ich nie an. Dennoch, ich fühlte mich an diesem Tag richtig fit, das ganze Gekurbele Sonntags im Keller- jetzt zahlte es sich aus. Am Ende stand ein Schnitt von 21,8 k/h auf meinem Radcomputer. Hätte mir vor Jahren jemand gesagt ich würde einmal so eine Pace auf so einem Parcours drücken, ich hätte ihn sofort in eine Psychiatrie einliefern lassen.
Ich kann diesen Bericht nicht abschließen ohne eine Episode vom Laufen zu erwähnen. Hannes und sein Team sind den ganzen Marathon über an der Strecke gestanden, haben mich motiviert aber vor allem unterrichtet über meinen Stand im Rennen. So lag ich zu Beginn des Laufes auf Platz 4, 20 Minuten hinter einem Platz auf dem Podium. Als es nur noch 3 k zum Finish waren erhielt ich die Info: der von Platz 3 ist schon 600 Meter hinter dir – zieh durch. So hatte es der Tracker angezeigt, auf dem so viele mein Rennen verfolgt haben was mich unglaublich motiviert, Danke dafür. Blöd an der ganzen Sache war nur: Platz 3, ein M70er aus Trier, ein gewisser Peter Joecken, war gar nicht 600 Meter hinter mir, das hatte der Tracker falsch errechnet. Nein, er befand sich just in diesem Moment genau neben mir, hörte natürlich unser kurzes Gespräch bezüglich des momentanen Rennverlaufes, und meinte verschmitzt grinsend: dann hänge ich mich mal dran. Was sich jetzt entwickelte war ein gnadenloses Rennen. Mal war Peter vorne, mal ich. An einer Steigung konnte ich ihm ein paar Meter abnehmen, meine Lunge brannte wie Feuer, aber am Ende war er dann doch wenige Sekunden vor mir an der Ziellinie. Egal, ich habe diesen Endspurt über 3 Kilometer genossen wie selten, es sind diese Battles am Ende eines IM, wenn der Körper völlig leer und aufgebraucht ist, die Beine nur noch weh tun und der Kopf sagt höre jetzt endlich auf, es sind diese Momente die unseren Sport so besonders machen.
Ich wollte diesen IM in der Cut Off time ins Ziel bringen- 16 h 59 Minuten. Im letzten Jahr wäre das Platz 1 und die Hawaii Quali gewesen. Meine Finisher Zeit gestern war 15:35 h, fast 1,5 h schneller als angestrebt. Ich bin so unsagbar stolz, auch wenn ich heute einen Rollator brauche um mich fortzubewegen. Das Erlebnis Lanzarote werde ich für immer mit mir tragen. Alle die mich mit Rat und Tat unterstützt haben möchte ich an dieser Stelle danken. Allen voran meiner lieben Frau, die mit meiner Sportbesessenheit tagtäglich leben muss und mir trotzdem ein selbst gefundenes vierblättriges Kleeblatt mit auf die Reise gab.
Und Hawaii? Nach dem Zieleinlauf saßen Peter Joecken und ich körperlich absolut am Ende nebeneinander auf einer Bank. Da sagte er plötzlich: ich bin für so etwas jetzt einfach zu alt, das war mein letzter IM. Vielleicht muss ich einfach solange warten bis tatsächlich kein anderer Grufti mehr am Start steht.

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Outback Marathon 2025

Outback2025

We‘re never gonna survive unless we get a little crazy (Seal 1991)#
Die Australier meiden das Outback. Was sollten sie auch dort? Nur Wüstenlandschaft, keine Civilisation, überall roter Sand und sehr giftige Schlangen sowie Spinnen. Ganz anders viele Deutsche. Für sie ist es ein Lebenstraum mit einem 4WD und dem GPS wochenlang durch das Outback zu cruisen. Meine Frau Evelyn hat das vor vielen Jahren gemacht und mir immer wieder davon erzählt, das hat mich sehr fasziniert. Vor 13 Jahren hat meine Tochter Claudia dann entschieden ihr Leben zukünftig down under zu fristen. Da wusste ich schon, irgendwann bist du auch im Outback! Aber 4WD und GPS ist so garnicht mein Ding. Als ich dann vom Outback Marathon hörte setzte ich den Event sofort auf meine „Bucket List“ (things you want to do before you die). Der Outback Marathon findet jedes Jahr im Juli statt, also wenn Sommerferien in Deutschland sind. Als angestellter Arbeitnehmer ohne schulpflichtige Kinder konnte ich diesen Termin in der Vergangenheit nie realisieren. Aber dieses Jahr, da hat es endlich geklappt. Als ich Claudia den Vorschlag machte mit ihrer Familie und mir ins Outback zu fliegen sagte sie: toll, da mache ich mit, du den ganzen Marathon und ich den Halbmarathon.
So packte ich kurz nach meinem 71. Geburtstag die Koffer und flog, mittlerweile zum 6. Mal, zu meiner Familie nach Sydney. Zuvor zeigte mir Evelyn, um mich für die große Unternehmung noch mehr zu motivieren die pittoresken Fotos von ihrer Fahrt durch das Outback. Kann also niemand sagen ich hätte nicht gewusst auf was ich mich da eingelassen habe.
In Sydney war tiefster Winter. Heißt, ich bin fast jeden Tag bei ca. 15 Grad in kurzen Hosen zum Schwimmtraining geradelt. Hier gibt es an jeder 2. Ecke ein Schwimmbad, die sind alle super gepflegt, fast immer hat man in den 50 Meter Becken eine Bahn für sich alleine. Traumbedingungen für das Schwimmtraining.
Der Outback Marathon ist eine kleine, man könnte auch sagen elitäre Veranstaltung. Neben dem (Halb) -Marathon werden auch noch 6 km für Kinder und 11 km angeboten. Aber mehr als 500 Teilnehmer über die 4 Wettbewerbe dürfen nicht mitmachen; Ich glaube ich habe meinen Startplatz als Quotengrufti erhalten.
Der Start im Morgengrauen war extrem eindrucksvoll: Mitten in der Wüste waren Zelte für uns aufgeschlagen worden. In der Ferne sah man wie die ersten Sonnenstrahlen den Ayers Rock (die Aborigines sagen dazu Uluru) beleuchten (siehe Videos unten). Alle waren freundlich, alle waren total entspannt (außer mir), das Ganze hatte mehr den Anschein eines Familienfestes denn eines harten Wettkampfes.
Aber, gleich nach dem Startschuss wurde das Problem dieses Laufes offensichtlich: der Boden ! Der rote Sand war teilweise so weich und tief, dass ich mich an die Vorbereitungsläufe am Strand von Zandvoort erinnert fühlte (siehe Video unten), und wenn er dann doch mal hart war hatte er lauter kleine Wellen und Unebenheiten, man eierte beim Laufen nur so herum. An eine gute Zeit zu denken – Fehlanzeige. Ich würde heute nach 5:15 h finishen; ich erinnerte mich beim Laufen an meinen allerbesten Marathon als Student mit 23 Jahren im Bienwald bei Karlsruhe: durchgehend auf Asphalt, den hatte ich in 3 h und 3 Minuten nach Hause gebracht.
Dafür eine unsagbar schöne Landschaft. Ich liebe Wüstenlandschaften und das durfte ich heute dann mal richtig auskosten. Und in der Ferne immer der Uluru, als ob er über uns wachen würde.
Ich lief also mit Claudia erst mal ganz locker los, schon bald waren wir alleine in der Wüste. Nur ab und zu Läufer, die uns bereits auf dem Rückweg befindend entgegen kamen. Ca. bei Kilometer 13 fing Claudia völlig unvermittelt an auf ihrem Handy zu texten. Was schreibst du denn da frug ich neugierig? Ich schreibe Mitch (ihr Ehemann), dass ich mich unentschlossen habe: ich laufe mit dir den ganzen Marathon. Ich bekam erst einmal Schnappatmung. Das Mädchen hat noch nicht einmal vor 12 Monaten entbunden, hat das Mindeste trainiert um wenigstens einen Halbmarathon körperlich durchzustehen und will jetzt einen Ganzen machen, es wäre ihr erster Marathon. Und mal abgesehen von der körperlichen Vorbereitung. Ich glaube wer einen Marathon, und dazu noch unter diesen Bedingungen durchstehen wil, braucht mentale Stärke und muss sich vom Kopf darauf einstellen.
Wer kann schon, wenn er 21 km laufen will, plötzlich das doppelte machen? Mit einem Klos im Hals antwortete ich also: das freut mich aber.
Wir liefen weiter. Bei km 25 spürte ich erste Ermüdungs-Erscheinungen, Claudia war eher gelangweilt. Ich solle ihr doch aus meinem Leben erzählen um sie zu unterhalten. Mit müdem Körper und Endorhin durchströmtem Gehirn erzählt man dann als Vater seinem Kind Dinge die man sonst ganz sicher nicht ausplaudern würde, ich glaube Claudia war richtig gut unterhalten.
Bei Kilometer 30 kam dann die berühmte Wand. Aber nur für mich, ich musste jetzt kämpfen, Töchterchen klagte zwar schmerzhafte Beine, lief dabei aber nach wie vor ganz locker. Kilometer 34 und Kilometer 38 musste ich eine Gehpause einlegen, alleine wäre Töchterchen 20 Minuten eher im Ziel gewesen. Schon 300 Meter vor dem Zieleinlauf kamen uns die beiden älteren Kinder ganz aufgeregt entgegengerannt und so liefen wir vier gemeinsam über die Ziellinie. Glücklich, beseelt, begeistert von der Schönheit der Landschaft und völlig erschöpft. Das Ergebniss: völlig egal, Hauptsache die Finisher-Medaille.
Auf dem Flughafen beim Abflug nach Sydney hatte ich übrigens einen großen kräftigen Mann gesehen, er trug ein dunkelblaues T-Shirt. Darauf stand in weißer Schrift: Finisher Antarktis Marathon 2023 …
we‘re never gonna survive unless we get a little crazy.

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