Ein Stück Horst-Niewrzol-Cup im Gepäck:
Zunächst möchte ich mich ganz herzlich beim Horst-Niewrzol-Cup und allen Sportfreunden dahinter bedanken.
Für mich ist der HN-Cup viel mehr als eine Serie von Zeitfahren. Hier kann man kontinuierlich an der optimalen Aerodynamik und an der körperlichen Leistungsfähigkeit arbeiten – ganz ungezwungen, auf schönen Strecken und über unterschiedliche Distanzen. Jede Fahrt liefert neue Daten, neue Erkenntnisse und neue Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.
Für mich ist der Cup deshalb eine echte Goldgrube: Training, Daten, Erfahrung und positive Energie – gemeinsam mit Gleichgesinnten. Genau diese Kombination hat mir die optimale Vorbereitung auf eine unvergessliche Reise nach Japan ermöglicht.
Der Weg nach Niseko
Die UCI veranstaltet seit Jahren eine offizielle Gran-Fondo-Serie mit Gran Fondos und Zeitfahren auf der ganzen Welt. Mit einer entsprechenden Lizenz kann man an diesen Rennen teilnehmen.
Im Juni bin ich beim Gran Fondo Vosges in Frankreich gestartet. Wer dort in seiner Altersklasse unter den besten 25 Prozent landet, qualifiziert sich für die UCI Gran Fondo Weltmeisterschaften.
Das Besondere daran: Die Weltmeisterschaft findet jedes Jahr in einem anderen Land statt. Im vergangenen Jahr war Australien Gastgeber, in diesem Jahr ging es nach Japan und im kommenden Jahr findet die Weltmeisterschaft in Frankreich statt.
Normalerweise fahre ich fast ausschließlich Zeitfahren. Weil ich mich über einen Gran Fondo qualifiziert hatte und meine niederländischen Teamkollegen mich außerdem gefragt hatten, ob ich bei der Mixed Team Relay mitmachen möchte, standen in Niseko gleich drei Wettbewerbe auf dem Programm.
Mit dem HNC-Gefühl nach Japan
Mit zwei Fahrrädern ging es nach Japan – in eine völlig fremde Welt, in der ich zunächst niemanden kannte.
Japan ist kulturell eine ganz andere Welt: unglaublich sauber, höflich und ruhig. Auf den Straßen findet man kaum Müll, die Menschen sind zurückhaltend und gleichzeitig sehr hilfsbereit. Obwohl die japanischen Schriftzeichen zunächst ungewohnt sind und nur wenige Menschen Englisch sprechen, kommt man erstaunlich schnell zur Ruhe.
Im Laufe der Woche kamen immer mehr Teilnehmer aus allen Teilen der Welt zusammen. Menschen mit der gleichen Leidenschaft, dem gleichen Ehrgeiz und der gleichen Freude am Radsport. Es entstand eine große internationale Familie.
Und dann kam der Moment, auf den man monatelang hingearbeitet hatte.
Einfach ein HNC-Zeitfahren
Vielleicht war die größte Herausforderung für mich gar nicht die Strecke oder die körperliche Leistung.
Ich habe versucht, das Rennen innerlich zu einem ganz normalen HNC-Zeitfahren zu machen.
Denn genau solche Rennen fahre ich normalerweise sehr gut. Wenn man einem Wettkampf allerdings zu viel Bedeutung gibt, beginnt etwas zu passieren: Die Kraft und Energie, die man eigentlich für den Wettkampf braucht, gehen schon in den Tagen davor langsam verloren. Man denkt zu viel darüber nach, macht sich selbst Druck und versucht, etwas Besonderes zu leisten.
Das war für mich wahrscheinlich der schwierigste Teil in Japan: das Weltmeisterschaftsrennen nicht größer zu machen, als es sein musste.
Also habe ich versucht, mich auf das zu konzentrieren, was ich kenne: Aerodynamik, Leistung, Rhythmus und einfach mein eigenes Zeitfahren zu fahren.
Und am Ende hat genau das funktioniert.
Weltmeister in Niseko
Nach all den Trainingsstunden, Daten, Tests und kleinen Verbesserungen durfte ich in Niseko tatsächlich den größten sportlichen Erfolg meiner bisherigen Laufbahn feiern:
UCI Gran Fondo Weltmeister 2026 im Zeitfahren der Männer 50–54.

Ein unglaubliches Gefühl – und gleichzeitig ein Erfolg, der für mich nicht erst an diesem Tag entstanden ist.
Er ist das Ergebnis vieler kleiner Schritte, vieler Trainingskilometer, vieler Auswertungen und natürlich der Menschen, mit denen man diese Leidenschaft teilt.
Auch die beiden anderen Wettbewerbe waren besondere Erlebnisse: Bei der Mixed Team Relay wurden wir mit Team NL Fünfte. Im Gran Fondo belegte ich den 21. Platz – und damit war ich angesichts der vielen Höhenmeter und meines Gewichts ehrlich gesagt ziemlich happy. 😊
Ein Teil dieses Weges führt für mich ganz klar über den Horst-Niewrzol-Cup.

Ein ganz besonderer Dank geht deshalb an Norbert sowie an alle Organisatoren, Helfer und Freiwilligen, die den HN-Cup mit so viel Engagement möglich machen. Vielen Dank für diese besondere Atmosphäre, die gemeinsamen Kilometer und die Möglichkeit, sich immer wieder weiterzuentwickeln.
Und vielleicht bekommt der eine oder andere aus der HNC-Gemeinschaft ja Lust, selbst einmal so ein internationales Abenteuer zu wagen. Es lohnt sich – sportlich, aber vor allem auch menschlich. Ich würde mich jedenfalls freuen, beim nächsten Mal noch mehr bekannte Gesichter aus dem HN-Cup irgendwo auf der Welt wiederzutreffen.
Ich freue mich schon auf die nächsten HNC-Rennen!
Robert Braam
UCI Gran Fondo Weltmeister 2026 – Zeitfahren Männer 50–54
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