IRONMANIronman 70:3 Weltmeisterschaft Nizza, 13.9.2026: Dabei sein ist alles!
Bis vor wenigen Tagen kannte ich die Côte d’Azur nicht, als Abiturient vor mehr als 50 Jahren bin ich mal kurz mit dem Auto durchgefahren. Was soll ich sagen, ich bin total beeindruckt. Bei 5 Tagen Kaiserwetter hat mich vor allem eines begeistert: die Côte d‘Azur ist wirklich BLAU. Wenn man auf dem klassischen Aussichtspunkt auf einer leichten Anhöhe über dem Meer steht wo in meterhohen rot-weißen Buchstaben „Love Nice“ aufgebaut ist – man sieht nur blau. Der Himmel bei Kaiserwetter sowieso, die zur Stadt hin abfallenden Hänge der „Alpes-Maritimes“, aber vor allem das Meer: richtig blau. Selbst später, beim Schwimmen, wenn man im Wasser nach unten schaute – alles blau. Das habe ich in dieser Intensität noch nirgends anders gesehen. Aber auch Nizza selbst – das ist schon etwas ganz besonderes: die noblen, gut restaurierten hohen Bauten – Hotels, Herrenhäuser etc. – entlang der „Promenade Des Anglais“ in begrenzt durch einen mit Palmen bestückten, sehr gepflegten Grünstreifen und gegenüber der Strand mit dem blauen Meer, einfach beeindruckend. Den mondänen Touch erhält das ganze Spektakel dann noch durch die tief entlang des Küstenstreifen einfliegenden Flugzeuge aus aller Herren Länder. Aber auch in der Stadt hat Nizza viel zu bieten. Ironman hatte seine Zelte für die Registrierung, Merchandising und Expo mitten auf dem pittoresken „Place Massena“ aufgestellt. Was für eine atemberaubende Venue.
Aber wo viel Licht, da ist auch viel Schatten. Wohl bedingt durch das schreckliche islamistische Attentat vor genau 10 Jahren, bei dem ein Terrorist mit einem Lastwagen hier 86 Menschen tötete und weitere 400 zum Teil schwer verletzte, ist die Polizei- bzw. Security Präsenz allgegenwärtig. Sogar eine Patrouille der Fremdenlegion habe ich gesehen. Überall sind wegen des Ironmans Kontrollpunkte aufgebaut, man muss den Inhalt seiner Taschen zeigen: vor dem Einlass in die Ironman EXPO, vor dem abgesperrten Zielbereich wo später die Sportler von einer Tribünen aus bejubelt werden würden, selbst beim Eingang zu großen Hotels habe ich Polizeikontrollen entdeckt.
Für den „Normalo“ bedeutet eine WM Teilnahme: dabei sein ist alles. Die Arbeit ist mit der Qualifikation zur WM getan. Diese ist mir im Juni 2026 beim IM 70:3 in Westfriesland/ Niederlande gelungen. Jetzt gilt es zu genießen, einfach nur Spaß haben. Das Podium machen einige wenige, wie mein Freund Howard immer sagt „Mutanten“ unter sich aus.
Die Organisation des Wettkampfes: PERFEKT !
Hier merkt man einfach die Jahrelange Erfahrung der Veranstalter vor Ort mit der Vorbereitung von Ironman Rennen. Für mich selbst war es ein Wettkampf voller Pech, Pleiten und Pannen. War aber egal, ich hatte nur ein Ziel: ich wollte meine zweiten WM-Finisher Medaille mit nach Hause bringen. Begonnen hatte meine Pechsträhne, oder sollte ich eher sagen Unvermögen, bereits beim Schwimmen. Ich hatte mich schlecht informiert über die Wassertemperatur im Mittelmeer an der Côte d‘Azur im September, die betrug nämlich 28 Grad – Neopren Verbot. Meinen Swimmsuite hatte ich zuhause gelassen wo er nach seinem bisherigen einzigen Einsatz in der Karibik beim IM Cozumel im Schrank hang. So bin ich die 1,9 k durch das Badewannen warme – und wie oben beschrieben – richtig blaue Wasser sozusagen in der Badehose geschwommen. Dafür konnte ich mit der Pace von < 2:30 Minuten/100 Meter noch einigermaßen zufrieden sein.
Die Radstrecke – landschaftlich mehr geht nicht: 90 Kilometer und 1200 Höhenmeter durch die traumhaft schönen „Alpes Maritimes“ – einfach unvergleichlich. Evelyn, und natürlich Loba unsere Hündin, standen gleich nach der Wechselzone an der Strecke,
feuerten mich an und wünschten mir Glück für die Radstrecke. Um die Zeit einigermaßen rumzubekommen verbrachten die beiden den Tag in einer der zahlreichen und äußerst elitären Beach Clubs direkt am Strand. Die Radstrecke kann man leicht in zwei Teile gliedern: Die ersten 45 k geht es nur bergauf. Ich habe auf diesem Abschnitt nicht getrödelt, ich habe mich aber auch nicht umgebracht. Wann würde ich in einer solch anmutenden Landschaft noch einmal Radfahren dürfen – Genießen war die Devise. Dafür wurde Teil zwei des Radsplits, die Abfahrt, zum Alptraum. Wie im letzten Jahr bei der WM in Marbella hatte man uns Gruftis gleich hinter den Profis am Schwimmstart aufgestellt. Alle jungen und wilden Altersklassen hinter uns. Und genau diese Jungen und Wilden schossen nun Kamikaze- mäßig bei der Talfahrt an uns vorbei. Dazu kommt ein für diesen WK völlig inakzeptabler Straßenbelag. Der Asphalt war zur rechten Seite hin abgebrochen und wies überall große Schlaglöcher auf. Dazu kamen immer wieder Bodenwellen die für die Geschwindigkeitskontrolle der Autofahrer gegossen worden waren. Die Veranstalter hatten die Straßenschäden zwar mit Farbe markiert. Aber ich musste ja immer ganz rechts die Kurven ausfahren und somit alle Schlaglöcher mitnehmen.
An Ideallinie nicht zu denken. Andernfalls hätten mich die sich herabstürzenden Jungathleten, oft in Zweier- oder Dreier- Gruppen nebeneinander, umgerissen. Mein Freund und Kollege Dan, der in Nizza schon zweimal bei einer IM Veranstaltung gestartet ist hatte mich gewarnt: Insgesamt 10 Mal zählte ich einen mit Blaulicht warnenden Krankenwagen und Sanitäter, die schwer verwundete Sportler versorgten. Im Zielbereich sah ich später einen Südamerikaner der die komplette linke Gesichtshälfte aufgeschürft hatte. Ich habe auf der Abfahrt sehr viel Zeit verloren, aber es wäre mir nicht wert gewesen auf Risiko zu fahren.
Der Lauf entlang der oben beschriebenen Uferpromenade auf der „Promenade Des Anglais“ erneut ein Traum, es gibt kaum schönere IM Laufsplits. Der heutige Wettkampf dürfte, wenn ich die über die olympische Distanz ausgerichteten Triathlons mitzähle ca. der 50 in meiner Sportlerkarriere gewesen sein. Aber noch nie, wirklich noch nie habe ich vergessen Socken in meinen Laufbeutel in der Wechselzone zu packen – ausgerechnet heute. Was dann geschah war abzusehen. Ich lief mir auf beiden Füßen blutige Blasen, die natürlich beim Lauf stark schmerzten. Egal, der Endorphinspiegel dürfte zu diesem Zeitpunkt schon Höchstwerte erreicht haben. Evelyn feuerte mich erneut beim Beginn der Laufstrecke an. Und kurz vor dem Finish standen Felix, Petra und Katrin vom DSV bereit mich abzuklatschen. Petra hatte am Vortag den Ironman in beeindruckenden 7:07 h gefinished, ich war heute nach 7:43 h im Ziel. Wen interessiert es. Im Ziel erhielt ich meine WM Medaille, DABEI GEWESEN ZU SEIN IST ALLES.
Nach einer langen Saison mit insgesamt vier Ironmanteilnahmen beginnt für mich jetzt die Off Saison. Halt – falsch – doch noch nicht ganz. Es steht noch eine DTU Sprint Distanz in ein paar Wochen an. Ich muss Punkte sammeln für die Qualifikation der Triathlon WM im September 2027 in Hamburg. Ich habe jetzt nämlich Blut geleckt.
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